Mit Thekla Walker (MdL) im Austausch zur lokalen Energiewende als Wirtschaftsmotor
Am 16. Januar war unsere baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Thekla Walker zu Besuch bei uns in Nürtingen. Im voll besetzten Nebenraum des Schlachthofbräu hatten wir die Gelegenheit, tief in die Themen einzutauchen, die unsere Stadt und das Land bewegen: Wie machen wir die Energiewende zum lokalen Wirtschaftsmotor?
Nach der Begrüßung der Gäste konnten wir bereits einige unserer Erfolge vor Ort anreißen. Nürtingen nimmt Fahrt auf: Mit rund 28 MW installierter Solarleistung leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, dass Baden-Württemberg 2025 die beeindruckende 2.000-MW-Marke beim Solarausbau geknackt hat. Dennoch haben wir noch Hausaufgaben vor uns. Eine gemeinsame Analyse zeigt: Allein in Nürtingen fließen jährlich über 90 Millionen Euro für fossile Energieimporte ab – Geld, das unserer lokalen Kaufkraft und Wirtschaft fehlt.
Thekla Walker und wir waren uns darüber einig, wie entscheidend die Rückbesinnung auf regionales Wirtschaften für unseren Erfolg ist. Eine nachhaltige Energiewirtschaft, die auf lokale Wertschöpfungsketten setzt, ist eine direkte Förderung für unseren heimischen Mittelstand. Indem wir Energie vor Ort erzeugen, sorgen wir dafür, dass die Kaufkraft in Nürtingen bleibt, statt in fossile Importe abzufließen.
Für uns ist klar: Ökologie und Ökonomie sind keine Gegenspieler, sondern ergänzen sich ideal.
Thekla Walker zeigte sich beeindruckt von der Nürtinger Initiative und betonte in ihrem Vortrag, dass die Energiewende regional und dezentral gedacht werden müsse. Sie legte dar, dass das Land wissenschaftlich fundierte Konzepte für alle Sektoren bereithalte. Besonders wichtig war ihr die Botschaft, dass der Abbau von Bürokratie und die Halbierung der Genehmigungszeiten bei der Windkraft entscheidende „Türöffner“ waren, um den Schwung in die Fläche zu bringen.
Ein zusätzlicher Themenpunkt des Abends war die Wärmewende. Während wir beim Strom schon weit sind, hinkt die Wärme noch hinterher. In Nürtingen arbeiten Akteure wie die Stadtwerke, die Stiftung Ökowatt, die Bürgerenergiegenossenschaft BEGiNT, die Klimataskforce und weitere Hand in Hand, damit Bürgerinnen und Bürger bei der Finanzierung nicht allein gelassen werden. Thekla Walker erläuterte hierzu, wie das Land Kommunen bei der gewaltigen Aufgabe der Netztransformation unterstützt – insbesondere mit Blick auf den sozialverträglichen Rückbau der Gasnetze, wie ihn Städte wie Mannheim bereits bis 2035 planen.

Praktische Einblicke gab es durch zwei Kurzbeiträge:
Klaus Nägele stellte die Initiative „DämmIt“ vor, die zeigt, wie ehrenamtliches Engagement die Hürden bei der energetischen Sanierung für Privatpersonen senken kann.
Oliver Hoss und Otmar Braune gaben spannende Einblicke in ein geplantes Leuchtturmprojekt von BEGiNT und weiteren Akteuren: Ein 10-MWh-Energiespeicher, der netzdienlich betrieben werden soll. Dies ist eine Antwort auf die Lücke in Nürtingen, wo wir nachts rund 40 MWh Bedarf haben, aber erst über 10,5 MWh Heimspeicher verfügen.
Thekla Walker kritisierte die aktuelle Unsicherheit durch die Diskussionen auf Bundesebene scharf. Wer Fördermaßnahmen infrage stelle, gefährde die Planungssicherheit für Bürger und Industrie. Vielmehr müsse die Anstrengung verstärkt werden – etwa durch Instrumente wie den im Wahlprogramm geforderten „Battery Booster“, um Speicher für das gesamte Netz nutzbar zu machen.
Der Abend schloss mit einer lebhaften Fragerunde, in der Thekla Walker kompetent und umfassend Rede und Antwort stand. Wir bedanken uns ganz herzlich bei ihr für ihr Kommen sowie bei Klaus Nägele, Oliver Hoss, Otmar Braune und allen Beteiligten für diesen inspirierenden Austausch. Gemeinsam machen wir Nürtingen unabhängig und zukunftssicher!